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Über die Agger


Die Überquerung der Agger

21.06.2020

Am Morgen mussten wir erst einmal die Strecke aus dem Berg zurücklaufen, um wieder auf unseren Weg zu kommen. Da Sonntag war hatten wir gestern schon genug Vorräte für das Frühstück eingekauft und selbiges schon vor unserem Aufbruch vertilgt. Dadurch konnten wir uns heute unsere Frühstückspause sparen und kamen daher sehr gut voran. Wir befinden uns hier schon im Randgebiet von Bonn, d. h. Die Strassen werden größer und die kleinen Waldwege weniger. Der Weg führte uns also heute permanent an einer Bundesstrasse entlang. Wir gingen auf dem Radweg und da Sonntag war, war dieser auch sehr gut befahren, was für uns einen hohen Stressfaktor darstellte, da wir ja möglichst niemanden behindern wollen, mussten wir ständig aufmerksam sein und den Radlern ausweichen zu können.

Nach einiger Zeit kamen wir an eine Tankstelle, das traf sich gut, so konnte ich ungestört das Bad benutzen, so dachte ich zumindest. Das mit dem Benutzen ging klar, aber das mit der Ungestörtheit hält sich im Rahmen, wenn die Tür der Nasszelle nicht verschließbar ist. So hatte ich das Vergnügen in sitzender Position zwei ältere Damen begrüßen zu dürfen. Über solche Situationen lernt man nichts in der Tanzschule. Normalerweise steht man ja auf, wenn man eine Dame begrüßt und reicht galant die Hand zum Gruße. In meiner Situation stellte sich mir die Frage, ob ich vorm Händeschütteln das Klopapier aus der Hand legen müsse und wohin dann damit. Aufstehen fand ich auch etwas unangebracht. Die Damen schienen sich aber ihrerseits nicht über die höflichen Umgangsformen in solchen Situationen im Klaren zu sein. Sie kreischten irgendetwas unverständliches und warfen die Tür wieder zu. Wenigstens guten Tag hätten sie ja sagen können.

Wir marschierten weiter unter strahlend blauem Himmel, bis wir einen kleinen Park entdeckten, der sich für eine längere Pause eignete. Wir machten es uns gemütlich und beantworteten wieder jede Menge Fragen, bis wir schließlich einigermaßen unsere Ruhe hatten. Da kam hinter uns ein Elternpaar mit zwei in pastellfarben gekleideten Kindern daher. Sie positionierten sich hinter uns und der Vater erklärte seinen Kindern, was sie da jetzt sahen. Der Mann war entweder Lehrer oder hatte irgendetwas anderes studiert, was ihn zu der Auffassung brachte allen die Welt erklären zu können. Wir machten das einige Zeit mit, aber langsam kriegte ich leicht Puls. Wir wollten Pause machen und da sitzt jemand im Hintergrund, begafft uns und erklärt anderen, was wir da machen. Das sind so die Momente, in denen kommt in mir meine Oma durch und irgendwann kann ich dann nicht mehr die Klappe halten. Man muss in solchen Fällen sein Anliegen kurz, knapp und präzise halten, damit kein großer Spielraum für Widerworte bleibt. Ein kurzes „ nun aber hopp! „ hinten drangehängt, verleiht der Sache dann den nötigen Nachdruck. So zog er dann von dannen mit seiner Familie. Der gute Mann hatte zwar ein, zwei Einwände aber damit kam er nicht durch. Man muss auch mal streng sein habe ich in meiner Ausbildung gelernt. Es ist einfach unglaublich, wie respektlos sich einige Menschen verhalten. Nicht mal guten Tag haben sie gewünscht...

Wir machten uns nach einiger Zeit wieder auf. Wir hatten entdeckt, dass es in einigen Kilometern entfernt einen kleinen Campingplatz gab und beschlossen, es dort für die Nacht zu versuchen. Aber leider wollte man uns dort nicht und wir mussten weiterziehen. Alle Wiesen in dieser Gegend waren abgezäunt oder mit „Betreten Verboten“ Schildern versehen. Wir mussten also, ob wir wollten oder nicht, noch weiterlaufen. Nach einiger Zeit kamen wir an eine Bundesstrasse, die längsseits eines Flusses führte. Ihr folgten wir einige Kilometer, bis nach einiger Zeit zwischen dem Fluss und der Strasse ein Waldstück war. Wir gingen hinein und fanden nach einiger Zeit einen geschützten Platz für uns und die Tiere. Es gab genug Wasser und Futter und zudem lagen überall größere Mengen Äste und Stämme rum mit denen wir ein ausbruchssicheres Gehege für die Esel bauen konnten.


Das Gelände war durchaus anspruchsvoll
Über Stock und Stein
Lukasz baut das Eselgehege
meine Herberge für heute Nacht
Die Esel fühlen sich wohl
pennende Esel im Wald

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