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  • Olaf

Ab an die Mosel


Fussel fragt sich, wo das alles enden soll

30.06.2020

Lukasz berichtete heute nach dem Aufstehen, dass er in der Nacht ein Tier um unser Lager stöbern gehört hätte und er den Geräuschen nach vermuten würde, dass es sich wohl um ein Wildschwein gehandelt haben könnte. Leider hat er wie bei seinem Treffen mit dem Bären während unserer letzten Tour schon wieder versäumt, ein Foto davon zu schießen. Die wirklich interessanten Dinge einer solchen Reise werden eigentlich nie im Bild festgehalten, wenn z.B. (ACHTUNG CLIFFHANGER!! ) Finn in ein paar Tagen in einen Nebenarm der Mosel fallen wird, dann kommt bestimmt niemand auf die Idee als erstes ein Foto zu machen, oder vielleicht doch? Wir werden sehen...

Auf so einer Tour fotografiert man eigentlich nur, wenn einem danach ist. Man entdeckt ein hübsches Motiv oder einen netten Hintergrund immer nur, wenn man gerade den Kopf dafür frei hat. Wenn es blitzt und donnert und einem der Sturm den Poncho um die Ohren haut, während man dringend eine Toilette sucht, die man eigentlich schon vor drei Stunden hätte finden müssen, dann ist fotografieren so ziemlich das letzte, an das man in diesem Moment denkt. Als Finn mitten in der Nacht in Bohmte seinem vom Winde verwehten Zelt hinterherhechtete, hat er es auch unterlassen, mich vorher zu wecken damit ich das bildlich dokumentieren kann.

Es wird immer nur in schönen Situationen gesagt: „Hey, Komm, machma n Foto, vor der Kirche komm ich im Licht ganz gut rüber!“ Niemand steht Seekrank an der Reeling der MS Helgoland zwecks Essenswiederausgabe und bittet den neben sich reihendern Leidensgenossen, ob er mal kurz ein Bild machen könnte, weil die Reise dann beim Diavortrag authentischer rüberkommt. Fotos entstehen also eigentlich fast nur in Sondersituationen, die mit dem eigentlichen Alltag hier wenig zu tun haben. Wollte man das einigermaßen realistisch einfangen, müsste ein neutraler Fotograf mitreisen. Ein wenig anders verhält es sich mit dem Schreiben, man fängt zwar auch nicht direkt an mitzuschreiben, wenn einem Larry gerade auf den Fuß getreten ist und man deswegen fast einen Abhang runtergepurzelt wäre. Aber im Gegensatz zum Foto kann man die Situation auch später noch festhalten. Je nach Stimmungslage oder manchmal auch aus dramaturgischen Gründen kann man dann sogar die Stärke des Tritts oder die Höhe des Abhangs noch etwas variieren. Die schriftliche Wiedergabe trifft es also eventuell auch nicht immer so ganz. Damit man wirklich nachvollziehen könnte, wie schlimm das hier alles so sein kann, müsste man Gerüche wiedergeben können. Wenn das ginge, würde jeder verstehen, warum wir für heute Abend einen Campingplatz mit Duschen ansteuern wollten. Lukasz hatte einen Platz kurz vor Trier direkt an der Mosel ausgemacht. So könnten wir Trier morgen gegen Mittag erreichen und hätten dann noch genug Zeit, wieder weit genug aus der Stadt hinauslaufen zu können. Insgesamt war heute die Gegend etwas flacher als gestern, aber es gab ein paar zwar nicht steile aber lange, hohe Anstiege und wir merkten heute sehr, dass wir all unser Gepäck auf dem Rücken hatten. Das ist schon eine enorme Umstellung. Wir waren von daher sehr froh, als wir gegen 19 Uhr auf dem Platz ankamen und nach einer Portion Spaghetti direkt an der Mosel frisch geduscht und gekämmt in unsere Schlafsäcke krabbeln konnten.


Ich wandre und die Jungs sammeln Pokemons
Sieht schöner aus, als es zu laufen ist

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