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  • Olaf

Ab ins Rheinland


Sjørd vor Panorama

24.06.2020

Ich bin gerade von meinem ehemaligen Ausbilder Bernd daran erinnert worden, dass ich lange nichts geschrieben habe. Das ist wohl war und ich hätte mich in den letzten Tagen auch sehr dafür geschämt, wenn ich dazu Zeit gehabt hätte. Hätte ich aber die Zeit gehabt, mich dafür zu schämen, hätte ich auch Zeit gehabt was zu schreiben. Was zu dem Schluss führt, dass ich andere Probleme hatte von denen ich noch berichten werde. Eventuell aber nicht heute.

Aber kommen wir zurück zum 24.06.

Gegen fünf merkte ich, dass das Kauen von Sjørd nicht mehr aus der Ecke kam, wo wir gestern Abend das Gehege aufgestellt hatten. Ich kletterte aus meinem Tarp und sah den hungrigen Jungen links neben dem Gehege stehen und einen Busch verspeisen. Für unsere Esel ist diese Wanderung ein nicht enden wollendes kaltes Buffet. Ich ging also zu ihm hin und band ihn einfach an dem Baum daneben an. Anhand der Restgröße seiner Speise und seiner Fressgeschwindigkeit, konnte ich mir ungefähr ausrechnen, wie lange er dort ruhig stehen bleiben würde und legte mich erstmal wieder aufs Ohr. Gegen sieben weckte ich dann Lukasz und Finn. Wir hatten für heute als Ziel einen ca. 20 Kilometer entfernten Ort ausgemacht, welcher einen Landhandel hatte. Wir brauchten dringend eine andere Litze für den Zaun. Unsere ist offensichtlich zu dünn und wird von den Eseln in der Dunkelheit nicht wahrgenommen. Sie fressen einfach auf dem Boden lang und da auf der Litze kein Strom ist und sie sie nicht sehen, merken sie gar nicht, wenn sie sich darunter durchschieben. Das Hauptproblem dabei ist gar nicht, dass sie abhauen könnten, das würden sie glaube ich nicht mehr tun, sie könnten sich aber in der Litze verfangen und sich etwas abschnüren. Das wäre noch viel schlimmer.

Es ging heute zunächst durch Wald und Wiesen. Es war herrliches Wetter und der Schatten des Waldes sorgte für ein angenehmes Klima zum Laufen. Wir kamen gut voran und machten irgendwann Pause an einer kleinen Bank.

Es sprachen uns wieder diverse Leute an und stellten viele Fragen. Ich verstehe ja, dass es ein ungewöhnliches Bild ist, was wir gerade abgeben, aber man muß sich mal in unsere Lage versetzen. Wir werden ständig auch ungefragt fotografiert, wobei mir das fast am Liebsten ist, weil wir wenn die Leute fragen fast immer aus Höflichkeit anhalten. Es dauert immer einen Moment nach jedem Stop bis wir wieder in einem flüssigen Lauf sind. Dann fahren hupende Autos vorbei oder wir müssen Fragen im Vorbeigehen beantworten. Wenn wir nach einem Lauf am Supermarkt ankommen und einfach nur bei einem kühlen Getränk verschnaufen wollen, dauert es keine zwei Minuten und einer von uns ist wieder in ein Gespräch verwickelt. Bis jetzt beantworten wir alle Fragen höflich und ausführlich. Aber innerlich würde ich gerne das Wort Höflichkeit wie der gute alte Obelix auslegen. (Siehe Asterix als Legionär) bei der nächsten Reise muss ein Pressesprecher mitlaufen...

Als wir gerade aufbrechen wollten, ich war gerade unter Larry gebückt um den Riemen des Packsattels fest zu ziehen, da fragte schon wieder jemand was. Ich hörte aber nur die Stimme und eigentlich gar nicht zu. Aber die Art, wie er fragte, war anders als sonst. Also kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass dieser nette Herr Walter Töpner war, jemand der schon mehrere Reiseführer über den Jakobsweg geschrieben hat. Das war dann nun wirklich auch für mich endlich mal eine interessante Konversation.

Wir erreichten bei strahlendem Sonnenschein den Ort mit dem Landhandel und einem großen Supermarkt, da der Landhandel etwas außerhalb war, musste einer von uns dort alleine hinlaufen. Finn, der immer Lust zu laufen hat, bot sich an, dies zu übernehmen. Lukasz und ich verweilten in der Zeit im Schatten des großen Einkaufsmarktes. Der Markt liegt an zwei Autobahnabfahrten. Während wir warteten, entdeckten wir, dass in deren Mitte zwei völlig unberührte Wälder lagen. Als Finn erfolgreich mit der breitesten Litze, die er kriegen konnte zurückkam, kundschafteten Lukasz und ich die beiden kleinen Wälder aus, ob sie sich für eine Übernachtung eignen würden. Der eine Wald war perfekt und so bauten wir kurzer Hand unser Lager dort auf. Das war praktisch, da der Supermarkt in unmittelbarer Nähe lag, konnten wir auch ausreichend Wasser für die Esel und einen Ballen Heu aus dem Landhandel ranschaffen.

Das untere Foto zeigt die Artikel, die bei Norma, dem erwähnten Supermark gerade im Angebot sind, leider nur eine kleine Auswahl. Von Wurfaxt, Rambodolch bis Buschmesser, teilweise unverpackt und sauscharf. Nach meinem Wissensstand sind alle diese Gegenstände nach deutschem Waffengesetz verboten, zumindest das Mitführen in der Öffentlichkeit. Nebenbei finde ich es sehr beunruhigend, wenn der nächste Wahnsinnige sich seine Tatwaffe direkt ungesichert vom Grabbeltisch nehmen kann.

Lukasz vor Bausatz für Römerlager
Larry muss durch den Graben
Weiter zieht der Treck
das Angebot der Woche im Norma Markt


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