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Camping beim Seeblick

Aktualisiert: Juni 4


Der Hund ist auf dem Platz an der Leine zu führen!

08.03.2020

Es sind übrigens nicht die Eskimos, oh Pardon die Inuit, die die meisten Wörter für Schnee haben. Nein, die Schotten haben anscheinend mehr, nämlich 421, laut Google. Das ist verwunderlich, wo die Schotten doch eher dafür bekannt sind, dass sie mit allem geizig sind. Wie dem auch sei, ich bin der Überzeugung, dass wir nach dieser Reise noch wesentlich mehr Wörter für Regen kennen, als die Schotten für Schnee. Aber von meinem Nachbarn August weiß ich, dass jegliche Form von Regen ein Gutes hat und das ist, dass das meiste vorbei fällt. Das hat sich bis jetzt auch immer bewahrheitet. Doch auf dieser Reise möchte ich die Weisheit ein wenig erweitern. Das Meiste fällt vorbei und sammelt sich dann des Nachts unter Fischi. Der arme Kerl macht jede Nacht Badeurlaub und dabei hat er das gar nicht gebucht. Ich habe ihm heute Morgen vorgeschlagen, seinen Spitznamen zu ändern. Fisch und Wasser gehört halt zusammen…

Wir bauten heute morgen unser Lager aber bei Sonnenschein ab. Noch ein kurzer Besuch im Bad des Autohofes und dann ging es wieder auf die Piste. Der Wind war kalt und nur gelegentlich blickte die Sonne zwischen den Wolken hindurch und spendete einen Moment der Wärme und Entspannung. Zwischendurch fielen ein paar Regentropfen, aber im Großen und Ganzen begnügte sich das Wetter heute damit uns nur mit einem eisigen Wind zu unterhalten. Der Großteil der Strecke führte an der B51 entlang und war von daher wenig unterhaltsam, wir mussten auf den Verkehr achten und dieser machte nebenbei auch noch solch einen Krach, dass man sich auch nicht vernünftig unterhalten konnte. Wir erreichten gegen frühen Nachmittag den kleinen am Dümmer See gelegenen Ort Lembruch. Ich dachte bei mir, warum nicht einfach mal auf einem Campingplatz nachfragen? Wir gingen also zur Anmeldung des Campingplatzes Seeblick. Das Büro war geschlossen, aber es hing eine Handynummer an der Scheibe. Ich rief an und sagte, wir waren zu viert mit zwei Eseln für die Nacht, ob das ginge? „Mit Wohnwagen?“ schallte es aus meinem Handy. „ Ne, mit Eseln“, entgegnete ich. „ Ja, das habe ich verstanden, ob die Esel nen Wohnwagen ziehen?“ wollte er dann wissen. „ Geht nur Esel mit Wohnwagen?“ fragte ich ihn. „ Ne, Wohnwagen geht auch ohne Esel“, sagte er. Wir einigten uns nach einigen weiteren verwirrenden Sätzen darauf, dass wir bleiben könnten, auch wenn er so etwas in den letzten 50 Jahren noch nicht erlebt habe. Ich versicherte ihm im Gegenzug, dass auch ich in den letzten 50 Jahren noch keinen Campingplatz mit Esel betreten hätte und es von daher für mich auch eine völlig neue Erfahrung sei. Ich wäre aber sehr optimistisch, dass diese Erfahrung für beide Seiten eine gute sein würde. Das überzeugte ihn anscheinend.

So bezogen wir dann Quartier. Die Esel auf einer Parzelle und wir auf der daneben. Der Besitzer des Campingplatzes kam gegen 19 Uhr, als Lukasz und ich gerade vom Pizza essen wiederkamen. Was nebenbei ein bisschen wie bei vier Fäuste für ein Halleluja war, denn wir hatten beim betreten des Lokals nicht bemerkt, dass unsere mit Schlamm beschmutzte Kleidung nicht ganz dem dort üblichen Dresscode entsprach und wir ein wenig sagen wir mal auffielen.

Doch zurück zu unserem geschäftstüchtigen Campingplatzbesitzer, der den Eseln nicht nur Strom für ihren Platz berechnete, sondern mir auch allen Ernstes Duschmarken für die Beiden verkaufen wollte. Als ich am Ende der absurden Verhandlungen nach einer Quittung fragte wurde die Unterhaltung immer wüster und ihm fiel dauernd etwas anderes ein, was er noch erzählen wollte. So lange, bis wir uns verabschiedeten und uns auf den Rückweg zu unserem Platz machten. Auf halber Strecke fragte mich Lukasz dann, ob wir denn jetzt die Quittung hätten? Hatten wir natürlich nicht, also drehten wir wieder um. Wir bekamen schließlich unsere Quittung, aber es war nicht einfach.

Inzwischen war es wieder so kalt geworden, dass der beste Platz wieder der Schlafsack war. Also gingen wir jeder in seine Mulle und machten uns warme Gedanken. Und wenn wir nicht erfroren sind, dann marschieren wir auch morgen…



alles trocken verstaut und bereit für die Nacht

Zwei Esel gehen zum Zebrastreifen

Aufbruch in Diepholz

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