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  • Olaf

Der Reinfall von Bonn


Die drei Stooges am Rhein

23.06.2020

Wir wachten heute gegen sechs auf, bzw. ich wachte auf und sorgte dann dafür, dass die beiden Jungs dann auch aufwachten. Wir hatten verabredet, so früh wie möglich zu starten, um Bonn möglichst früh am Tag zu passieren. Wir hatten die Hoffnung auf diese Weise möglichst unauffällig durch die Stadt zu ziehen. Außerdem wollten wir endlich den Rhein überqueren. Wir hatten uns bei den Planungen im Vorfeld schon immer gesagt, wenn wir über den Rhein kommen, dann ist der Rest auch machbar. Nebenbei ist es auch schonmal eine Leistung mit Eseln von Martfeld über den Rhein zu stiefeln.

Doch vor dem Rhein lag erstmal noch jede Menge Weg im totalen Sonnenschein vor uns. Wir hatten wieder ein zwei nette Gespräche, diesmal aber wirklich nett und konstruktiv. Ein Herr, den wir trafen, war auch schon einmal gepilgert und hatte einen Tip für eine Übernachtung hinter Bonn.

Wir erreichten am späten Vormittag endlich den Rhein. Ein kurzes Selfie am Ufer und dann ging es über die große Rheinbrücke. Nun wurde es spannend, denn in der großen Stadt waren wir mit Larry und Sjørd bisher auch nicht. Insbesondere die Brücke machte mir etwas Sorgen, aber das war alles überflüssig. Die Beiden gingen da durch, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. Die ganzen Menschen und Fahrzeuge brachten sie überhaupt nicht aus der Ruhe. An der ersten Ampel nutzte Larry die Frau neben sich, um sich an ihrem Hinterteil die Nase zu schubbern. Die guckte etwas irritiert, aber als ich ihr sagte, sie müsse das als Kompliment verstehen, war sie dann doch erfreut. Vor einem Bäcker machten wir Halt und die Esel fraßen den Rasen davor kurz. Ein älterer Herr kam und fragte, was wir da machten. „Wir sind vom Gartendienst der Stadt Bonn“, antwortete ich, „die Fraktion der Grünen hat sich durchgesetzt, nun werden die Grünflächen ökologisch gepflegt“. Mit der Antwort war er komischer Weise zufrieden. So einfach ist das, dachte ich mir. Keine lange Diskussion und alle sind glücklich.Dem nächsten erzählte ich an einer vielbefahrenen Kreuzung, dass wir vom bundesdeutschen Strassenverkehrsberuhigungsamt gesandt wären um in Verkehrsballungszentren für ein bisschen für Entschleunigung zu sorgen und ein wenig Gleichmut unter den Verkehrsteilnehmern zu verbreiten. Einem anderen erzählte ich, dass das die neuen Paketboten von Amazon wären, für Kunden, die zu geizig sind Prime-Mitglied zu werden. „Sind das Ponys?“, fragte eine junge Dame. „ Nein das sind durch die Corona Krise arbeitslos gewordene Rennpferde, die nun von der Bundesagentur für Arbeit zum Packesel umgeschult werden“, erklärte ich ihr gewissenhaft.

Nach kurzer Zeit erreichten wir die Filiale der Firma Unterwegs und ich bekam tatsächlich meine Isomatte umgetauscht. Dann ging es feierlich zum Bonner Münster in Erwartung hier einen Pilgerausweis und noch ein, zwei Muscheln zu kriegen. Aber der Münster war mit einem großen Bauzaun umzogen und die Information, wo es die Ausweise geben sollte war geschlossen, welch ein Reinfall. Da läuft man extra aus Martfeld nach Bonn und die haben dicht. Warten bis die wieder aufmachen hatte keinen Sinn, denn Bauende ist in eineinhalb Jahren, also ging es weiter. „Wie kommt man auf so eine Idee?“, fragte jemand von der Seite. Das kommt wenn man beim buchen der Spanienreise so erfreut über die günstigen Reisekonditionen ist, dass man beim unterschreiben der Reiseunterlagen das Kleingedruckte nicht beachtet, erklärte ich ihm.

Wir gingen weiter in den Stadtpark, dort wollten wir kurz eine Pause machen. Aber wir hatten noch nicht ganz angehalten, schon kamen wieder die ersten Fragen, was wir da tun würden . Diesmal erzählte ich mein Bauernhof sei abgebrannt und das wäre alles, was davon übergeblieben wären, nun würden wir gen Westen ziehen auf der Suche nach neuem Weideland. Als dann nach kurzer Zeit die ersten Junkies kamen und uns zutexteten, beschlossen wir auf die Pause zu verzichten und weiterzuziehen. Die Stadt kam uns unerträglich groß vor und wir waren froh als wir am späten Nachmittag den Stadtwald erreichten. Wir hatten dort eine öffentlichen Grillplatz auf der Karte gefunden und uns gedacht, es dort für die Nacht zu probieren. In unserem Ort dürfe man seit die Grünen an der Macht sind gar kein Auto mehr privat benutzen, Esel und Lamas würden aber gefördert, das kommt bei Euch sicher auch bald, erklärte ich dem nächsten Spaziergänger, der uns wieder stoppte. Komisch sonst liegt mir das Blödsinn reden gar nicht so, aber heute ging es ganz leicht von der Zunge. Zur Beruhigung aller, natürlich habe ich nur auf echt dumme Fragen dumme Antworten gegeben, wer ernsthaft interessiert war, dem habe ich auch gerne von unserer Mission erzählt.

An dem Grillplatz angekommen machten wir es uns gemütlich. Wenn wir irgendwo ankommen, wo wir denken, es wäre ein guter Platz für die Nacht, bauen wir nicht gleich auf. Wir erkunden zuerst die Gegend, essen etwas und warten erst einmal ab. Das hat sich als schlau herausgestellt. So auch heute. Nachdem wir dort eine Zeit gesessen hatten kam ein freundlicher Sardinier mit Hund. Er freute sich an den Eseln und wir kamen ins Gespräch. Er gab uns den Tip für einen wesentlich geschützteren Platz ganz in der Nähe. Das war ein sehr guter Tip. Der Platz war von großen Büschen umgeben und es gab genug Nahrung für die Esel. So bauten wir dort auf und hatten dann noch ein, zwei nette Gespräche mit Leuten, die vorbeikamen.

Die Wege sind oft abenteuerlich
Die Zivilisation kreuzt ab und zu unseren Weg
ein Tunnel mitten im Wald
An der Bahn lang Richtung Bonn
Fussel reiste heute hoch zu Ross
Die Überquerung des Rheins
Bonn in Sichtweite
Auch Treppen wollen bewältigt werden
Der Grillplatz


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