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  • Olaf

Der verflixte Konjunktiv


Einmarsch nach Hamm über die Lippe

10.06.2020

Die Jungs haben wohl ganz gut geschlafen, jedenfalls nehme ich das an, da es sich etwas zäh gestaltete, sie dem Schlaf zu entreißen. Bei mir lief die Nacht mehr im Konjunktiv ab. Ich hätte gut geschlafen, wäre da nicht das nicht unauffindbare, klitzekleine Loch, was ich wohl finden und reparieren hätte können, wenn es etwas größer gewesen wäre. So aber musste ich immer alle zwei bis drei Stunden feststellen, dass ich vor Abreise besser doch eine neue Matte hätte kaufen sollen. Hätte ich mich doch bloß nicht auf die viel gepriesene lebenslange Garantie des Herstellers verlassen. Aber man muß dabei stets das positive sehen, ich bin zwar kaum zum Schlafen gekommen, aber ich hatte wenigstens keine Langeweile.

Endlich war es sieben Uhr und ich konnte aufhören, meine Matte immer wieder aufzupusten. Wir verzichteten heute Morgen auf den gemütlichen Kaffee mit Frühstück auf dem Lagerplatz. Wir wollten schnell los nach Hamm, um möglichst früh da zu sein, da es sich in der Stadt schwieriger gestaltet, einen Platz für die Nacht zu finden. Außerdem hatten wir direkt vor den Toren Ahlens gelagert und die Aussicht auf ein baldiges Frühstück vor einem netten Bäcker war gut. Vor allem, weil wir alle die Hoffnung hatten, dass wir dort eine saubere Toilette finden könnten, denn wir alle waren in der frohen aber dringlichen Erwartung eines Faxes vom Schornsteinfeger.

Wäre da wo wir ankamen ein Bäcker mit Cafe und nicht ein schädriger Supermarkt mit schottrigem Parkplatz aber ohne Cafe oder Kundentoilette gewesen, so hätte das ein schöner Start in den Morgen werden können. Hätten wir nicht weitergemußt, so hätten wir uns auch die Zeit nehmen können, einen besseren Platz zu finden Aber so ein dringliches Fax lässt sich nicht lange speichern. Jedenfalls nicht, wenn es schon länger als einen Tag auf seinen Ausdruck wartet.

Auf der Karte konnten wir sehen, dass kurz nach dem Ortsausgang ein Waldstück lag und so beschlossen wir uns schleunigst dorthin zu begeben und hätten wir dieses schöne Waldstück nicht bald erreicht, dann hätte das mit dem Faxempfang ganz schön in die Hose gehen können. Es wird Zeit, dass jemand etwas erfindet, dass man diese Faxe per Email oder SMS an Leute weiterleiten kann, die einen direkten Zugang zu einem Sanitärbereich haben.

Nachdem wir alle drei unsere Büroarbeit erledigt hatten, ging es weiter Richtung Hamm. Da wollte ich schon immer mal hingucken, denn die Stadt ist ja nach meinen Vorfahren benannt worden, so dachte ich zumindestens als Kind, denn meine Oma war eine geborene Hamm. Sie entstammte einer alten Brauereidynastie und hätte ihr Vater seine Zeit nicht nur mit turnen vertrödelt, dann wäre die Brauerei wohl auch nicht pleite gegangen.

Hätten wir Hamm gestern nicht erreicht, dann hätten wir wohl auch gestern nicht diese geschlossene Jugendherberge mit Garten finden können, in der wir sicher hätten übernachten können, wenn diese nicht wegen Corona geschlossen gewesen wäre. Hätte dort nicht das Tor aufgestanden, so wären wir sicher auch nicht reingegangen und hätten nicht den Herbergsvater treffen können, der dort nach dem Rechten sah. Wenn dieser Herbergsvater uns nicht verraten hätte, dass er gleich ginge, das Tor auflassen würde und erst morgen gegen Mittag wiederkommen würde, dann wären wir mit Sicherheit auch nie auf die Idee gekommen dort einfach im Garten zu übernachten. Dann hätten wir uns noch einen anderen Platz zum Schlafen suchen müssen und ich hätte es nicht geschafft zum Outdoorshop zu laufen und meine bestellte Isomatte abzuholen.

Laufen, laufen, laufen
Mein Hut rettete mich vor dem Eichenprozessionsspinner
Unser Platz für die Nacht

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© 2020 by Olaf Seebode