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  • Olaf

Die Nacht der fliegenden Zelte


10.03.2020

Ich wurde mitten in der Nacht wach. Der Wind peitschte heulend den Regen gegen mein Tarp, was sehr bedenklich flatterte und schwankte. Die Seitenwände schlugen zwischenzeitlich so weit nach innen, dass sie sich in der Mitte berührten und nur wenn ich ganz flach auf dem Boden lag hatte ich noch einen kleinen Raum. Ändern an der Lage konnte ich so spontan jetzt nichts. Einschlafen ging aber so auch nicht, also beschäftigte ich mich damit darauf zu warten, dass entweder der Sturm mein Dach mit sich riss oder er endlich aufhörte. Beides passierte nicht und so verbrachte ich die nächsten drei Stunden damit bewegungslos auf dem Rücken zu liegen und ins Dunkle zu gucken. Der Wind donnerte dazu die Zeltplane aneinander und ab und an hörte ich ein lautes Fluchen aus einem der benachbarten Zelte. Gegen fünf schlief ich dann aber doch ein.

Als ich gegen sieben aufstand, um den Schaden der Nacht zu begutachten, sah ich, dass mein und Fischis Zelt auf halb acht hingen, aber Finns Tarp komplett seine strukturelle Integrität eingebüßt hatte. Es lag flach auf dem Boden, flatterte vor sich hin und in der Mitte war ein Hügel, unter dem schlief Finn mit all seinem Hab und Gut. Lediglich Lukasz Konstruktion stand genauso dar wie gestern. Kurz zur Erklärung, wir benutzen als Dach so genannte Tarps. Das sind leichte, drei mal vier Meter große Zeltplanen, die wir mit den Wanderstöcken zu einem Dach aufstellen. Das geht in verschiedensten Varianten und wir wetteifern gerade, wer die beste Lösung findet. An diesem Tag war Lukasz Konstruktion die überzeugendste. Fischis und meine waren immerhin irgendwie stehen geblieben und hatten so ihren Zweck erfüllt, uns trocken zu halten. Während Finns Aufbau lediglich am weitesten flog, was zwar auch ein Leistung ist, aber sich bei Regen als wenig zweckdienlich erwiesen hat. Man könnte meinen es hat quasi die Aufgabenstellung ein wenig verfehlt. Das entnahm ich zumindest dem Kern von Finns Beschreibung der vergangenen Nacht. Anstatt zu schlafen hatte er nämlich mit seinem Tarp Fangen gespielt. Als er es schließlich und endlich hatte, hat er sich und seine Sachen entnervt damit zugedeckt und einfach so geschlafen. Ergebnis der Nacht, seine Klamotten waren weitestgehend durchnässt.

Beim Bürsten von Larry waren mir heute Morgen zwei Druckstellen aufgefallen. Sie schienen vom Geschirr des Sattels zu kommen. Finn und ich tüftelten das Gurtzeug komplett um, so dass nichts mehr scheuern konnte. Das dauerte eine ganze Zeit und wir kamen erst sehr spät los .

Eigentlich war geplant nach Melle in eine Reiterpension zu gehen, aber ich erreichte dort telefonisch niemanden und so beschlossen wir Richtung Osnabrück zu laufen. Der Regen war heute fein, aber sehr beständig und wir hatten ihn etwas unterschätzt und waren daher nicht in voller Regenmontur losgelaufen. Das rächte sich zwei Stunden später. Wir waren Klatschnass und es war kalt. So beschlossen wir in der Ortschaft Ostercappeln im katholischen Pfarramt nach einem Schlafplatz zu fragen. Die Dame dort hielt sich sehr bedeckt und war sichtlich überfordert mit der Situation. Wir sollten lieber wieder gehen.

Eine kleines Stück weiter steht die Kirche der Paulus Gemeinde. Lukasz und ich klingelten im Pfarrhaus und eine fröhliche Pastorin öffnete die Tür. Selbstverständlich könnten wir dort bleiben. Für so etwas wäre sie immer offen. Wir hätten doch bestimmt nichts dagegen, wenn wir im Gemeindehauskeller schlafen und unsere Sahen trocknen könnten. Darauf führte uns ihr Mann um das Haus in einen riesigen Garten, in dem die Esel richtig Platz hatten und uns schloss er den Keller des Gemeindehauses auf. Dort gab es eine Küche, ein sauberes Bad und einen Raum mit Sofa. Dort quartierten sich die Jungs ein und ich schlug mein Tarp im Garten bei den Eseln auf. Falls mit denen mal was ist, bin ich schneller zur Stelle.

Nachdem wir alles gereinigt und zum trocknen aufgehängt hatten, gingen wir im Ort noch etwas essen und danach gingen die Jungs in ihr Zimmer und ich kroch in meine Höhle zum Bericht schreiben. Ich hatte das gerade beendet und mich schön in meinen Schlafsack geigelt, da gesellten sich ein paar fröhliche Windböen dem Regen dazu und auf einmal gab es einen lauten Knall und das Kopfende meiner Konstruktion flatterte im Wind. Es half nichts, ich musste raus und den Schaden beheben, um einen Weiteren zu verhindern. Die Lasche, mit der das Tarp an dem Wanderstock befestigt war, war abgerissen. Gute Bilanz, keine zwei Wochen unterwegs und schon zwei Taps und zwei Luftmatratzen kaputt, dachte ich bei mir, während ich bei Wind und Wetter eine Lösung suchte, das Tarp ohne die entscheidende Haltelasche wieder aufzustellen…





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