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  • Olaf

Ein Hammer Tag


Kurze Rast vorm Schachtelwirt

11.06.2020

Ich wachte gut erholt auf meiner neuen Isomatte auf, keine Kreuzschmerzen und kein kalter Po. So kann der Tag ruhig seinen Lauf nehmen . Lukasz hatte sich gestern aus Faulheit einfach unter das Überdach an der Hauswand gelegt, damit er sein Tarp nicht auf bauen musste. Unter diesem Überdach war eine Leuchtstoffröhre montiert, die Punkt 22 Uhr anging und pünktlich um 6 Uhr Morgens wieder erlosch. Sie hatte offensichtlich den Zweck, alle Insekten aus dem umliegenden Wald anzulocken, welche den guten Lukasz nun hingebungsvoll im Schlaf bespassten. Dieser hatte sich einfach die Satteldecke von Larry über den Kopf gelegt und beschlossen, es sei dunkel und die Insekten könnten ihm so auch nichts anhaben. Dementsprechend war er richtig gut gestellt, als ich ihn zum Aufstehen aufmunterte.

Wir packten unsere sieben Sachen und reinigten den benutzten Platz von unserem und anderem Müll. Wenn wir irgendwo schlafen fällt der Zustand der Lagerstötte auf uns zurück. Insofern haben wir es uns angewöhnt auch Müll, der vorher schon da war zu entsorgen. Mehr als ein paar Spuren und einen guten Eindruck darf ein Pilger nicht zurücklassen. In unserem Fall kommt manchmal noch ein bißchen frischer Eselmist dazu. Aber wenn wir wie heute zu Gast sind, dann äppeln wir selbstverständlich auch ab.

Die Stadt Hamm ist ganz schön groß und es dauerte ewig, bis wir draußen waren. Auf jeden Fall gibt es in der Stadt einen Hammer Sportklub, einen Hammer Hockey Club und überhaupt sind viele Leute hier echte Hammer. Die hamm den Namen ihrer Stadt schlau ausgesucht.

Voller Erstaunen mussten wir feststellen, dass sämtliche Supermärkte und Bäckereien heute geschlossen waren. Ein Blick in den Kalender offenbarte die Ursache. Die feiern hier anscheinend Fronleichnam. Man lernt nie aus.

Also gab es nur die Reste von gestern mit Wurst. Lukasz hatte etwas abseits der Strecke eine Tankstelle ausgemacht, hier konnten wir zumindest ein paar Getränke für uns und Wasser für die Tiere holen. Weiter ging es. Das Wetter war herrlich und wir kamen sehr gut voran. Wir wählten nur Strecken fernab der Strassen und so konnten wir ziemlich ungestört vom Verkehr in den Tag hinein schlendern. Die Kilometer haben wir heute kaum gespürt und es ging gut voran. Gegen Abend hatte Lukasz eine Abkürzung über einen recht verwachsenen Feldweg ausgemacht. Ich hatte schon meine Zweifel, ob die Karte wirklich aktuell war, denn der dichte Bewuchs des Weges ließ darauf schließen, dass er so gut wie nie benutzt wird. Aber was sollte schon passieren, außer dass er nicht weiterführt. Nach ein, zwei Kilometern tat der Weg genau das. Er führte nicht weiter. Er war komplett mit Brombeeren zugewuchert, ca. 100 Meter bevor er wieder auf die Strasse hätte führen sollen. Bei genauerer Betrachtung stellten wir fest, dass der Platz eigentlich ideal für ein Nachtquartier sei. Kein Haus weit und breit und wahrscheinlich auch niemand, der sich daran stören könnte. Finn hatte auf dem Weg einen kleinen Tümpel entdeckt und machte sich auf unsere Wassersäcke zu fülle, während Lukasz und ich das Eselgehege errichteten.

Mein Freund Enno hatte uns bei unserer Abreise Anfang März Notmahlzeiten für den hungrigen Wandersmann mitgegeben. Das kam nun heute zum Einsatz. An dieser Stelle nochmal vielen Dank dafür. Für unser leibliches Wohl war also gesorgt und für die Tiere gab es Heu satt vom Wegesrand, welches Lukasz auf dem Hinweg immer fleißig aufgesammelt hatte. Schauen wir mal, wo wir morgen landen.

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Garten mit Stuhl und Angler drauf

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