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  • Olaf

Ein Hoch auf Herrn Hegemann


Auszug aus Hemmerde

13.06.2020

Die Sonne weckte mich gegen sechs Uhr auf. Unter meinem Tarp begann es stickig zu werden. Ich stand auf, wusch mich im Gemeindehaus und setzte mich an das verfassen des gestrigen Tagesberichtes. Gegen acht weckte ich die Jungs und wir fingen langsam an zu packen. Um kurz nach neun kam der nette Junge von gestern mit frischen Brötchen und Auflage vorbei. Er entschuldigte sich, dass er leider etwas nach neun gekommen wäre, aber dafür wäre die Brötchen noch warm. Was für ein toller Service, nochmal vielen Dank dafür.

Der Himmel war blau und die Sonne schien, als wir uns nach einem guten Frühstück wieder auf den Weg machten.

Die Landschaft war inzwischen etwas hügeliger geworden und es ging dadurch bergauf und wieder bergab. Das war für uns spannend, da wir noch keine wirkliche Ahnung hatten, wie die Esel mit Gepäck auf Berge reagieren. Denn das konnten wir bei uns im norddeutschen Flachland bis jetzt nicht wirklich testen. Insbesondere waren wir gespannt, wie die Beiden sich verhalten, wenn es bergab geht. Würden sie dann eventuell zu schnell werden oder in unserem Tempo langsam mit uns hinabsteigen. Sie taten letzteres und somit waren wir beruhigt.

Es war ein richtig schöner Marsch. Wir machten im Schatten einer Kastanie vor der örtlichen Kirche Rast und verspeisten die letzten Brötchen des netten Jungen vom Morgen. Gerade als wir ins wieder auf den Weg gemacht hatten kamen uns zwei Rennradfahrer entgegen und hielten auf unserer Höhe an, d. h. der eine hielt an und der andere fiel uns vor die Füße, weil er beim Anhalten den Fuß nicht rechtzeitig von den Pedalen losgekriegt hatte. Wir kamen kurz ins Gespräch und der ältere der Beiden fragte, ob wir schon wüssten, wo wir heute Nacht bleiben könnten. Wir verneinten. Er holte sein Handy raus und zeigte Lukasz unserem Chefnavigator auf der Karte einen Hof kurz vor der nächsten Ortschaft. Da geht ihr hin, bestellt einen schönen Gruß von Herrn Hegemann und dann könnt ihr da sicher bleiben, sagte er zu uns und die Beiden stiegen wieder aufs Rad und wir gingen weiter.

Wir erreichten den Langenhof, so der Name des Hofes, ca. eine Stunde später. Finn und ich warteten mit den Eseln und Fussel vor der Hofeinfahrt, während Lukasz sich auf die Suche nach den Betreibern des Hofes machte. Er kam kurze Zeit später wieder und winkte uns heran. Wir wurden nett empfangen, obwohl sie sich zunächst die Frage stellten, wer eigentlich Herr Hegemann ist.

Wir bekamen eine Wiese für uns und eine eingezäunte Fläche für die Esel mit sandigem Boden. Esel dürfen nicht soviel auf saftigen, grünen Wiesen stehen, da ihr Stoffwechsel aufgrund ihrer afrikanischen Herkunft sehr langsam und gründlich arbeitet, dass er sogar trockenes Holz verwerten kann. Das hat zur Folge, dass zu nährstoffreiche Nahrung, ihm auf Dauer Probleme bereitet.

Sjørd und Larry bekamen ordentlich Heu und Wasser und freuten sich offensichtlich ihres Lebens. Sie wälzten sich im Staub und balgten dann ein wenig in der Abendsonne.

Finn und ich gingen in den nächsten Ort Lebensmittel und Getränke holen, denn morgen ist Sonntag, da gilt es vorbereitet zu sein.

Wir brieten uns schön Speck und Zwiebeln an und zur Abwechslung gab es ein paar Bohnen dazu.

Lukasz mit Eseln vor Panorama
Ankuft auf dem Langenhof
Sjørd tobt durch den Staub
Lukasz kontrolliert Sjørds Fell

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