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  • Olaf

Eine kitzelige Situation


Warten auf den Bus

04.07.2020

Ich bin ja eher einer von denen, die oft mal sagen, das kratzt mich nicht, bzw. das juckt mich nicht. Heute juckte es mich aber gewaltig und leider kratzte es mich nicht. Den beiden Jungs ging das leider genauso. Alles juckte von oben bis unten und Lukasz und ich hatten einen ordentlichen Ausschlag dazu. Nachdem wir den ersten Schreck überwunden und ein wenig gegoogelt hatten, war der Schuldige schnell ausgemacht. Die Cimex lectularius ist ein gar gefräßig Wesen, ernährt sich hauptsächlich von Blut und ist in den Betten dieser Welt zu Hause. Die lausige Bettwanze, wie sie umgangssprachlich genannt wird, hatte uns befallen und das nicht zu knapp. Beim Hochheben der Matratze waren ihre Spuren leicht auszumachen. Hätten wir uns bloß vorher die Google Bewertungen des Hotels durchgelesen. Sie drehten sich ausschließlich um dieses eine Thema. Nun war es zu spät und wir hatten den Salat. An ein Weiterwandern war so nicht zu denken. Zum Einen, weil wir uns kontinuierlich kratzen mussten, zum Anderen, weil wir davon ausgehen mussten, dass nun auch unser Gepäck und unsere von den Biestern befallen war. Das habe ich auf all meinen Reisen bis jetzt noch nicht erlebt, nur davon gehört. Tante Google erzählte uns dann noch, dass Frankreich derzeit quasi als das Mekka der gemeinen Bettwanze entwickelt hat. Als ich vor sieben Jahren schon einmal in Frankreich unterwegs war, waren die F1 Hotels die erste Adresse, wenn man günstig und sauber wohnen wollte, das hat sich aber anscheinend inzwischen geändert. Sie sind schmutzig, laut und ganz offensichtlich seit Jahren nicht mehr gestrichen worden.

Was nun also tun? Wir hatten gestern schon beschlossen, dass wir einige Teile von Frankreich mit dem Zug springen wollten, da sich die Infrastruktur des Landes in den letzten Jahren ganz offensichtlich weiter verschlechtert hat. Es gibt kaum noch Orte, in denen man einen Supermarkt findet. Auch gibt es kaum wirkliche Wanderwege. Die meiste Zeit muss man Straßen laufen. Das ist weder für unsere Gelenke gut, noch für Fussels Pfoten. Also hatten wir gestern überlegt, nach Bordeaux zu springen, wollten aber ursprünglich noch ein paar Tage Richtung Süden laufen und dann nochmals darüber nachdenken. Nun aber mussten wir zuerst unser Parasiten Problem lösen. Wir besorgten uns zunächst eine Salbe aus der nächsten Apotheke und dann ein Zugticket nach Bordeaux.

Das Umsteigen in Paris war wie immer ein Erlebnis. Paris hat recht viele Bahnhöfe und wenn man im Norden ankommt und dann Richtung Süden weiter will, muss man quer durch die halbe Stadt zu einem anderen Bahnhof, der Richtung Süden liegt. Das ist immer ein kleines Abenteuer für einen Jungen vom Land.

In Paris selber kann man das Ausmaß der letzten Demonstrationen sehr gut sehen überall aus Mauer und dem Gehweg sind Steine rausgebrochen. Ich war recht froh, als wir dann im richtigen Zug saßen und in Richtung Bordeaux unterwegs waren. Wir brauchten für heute Nacht, eine Bleibe in der wir uns und unsere Sachen erst einmal richtig reinigen konnten und wo wir uns auch eine Zeit lang unbekleidet aufhalten konnten. Also buchte ich vor Ort am Bahnhof zwei Zimmer. Diesmal aber nicht im billigsten Hotel. Der Tag über hatten wir mit Reinigung der Klamotten und Salbung unserer Leiber reichlich zu tun. Die Salbe half immer nur für ein, zwei Stunden, dann musste sie neu aufgetragen werden. Nun brauchten wir noch eine gute Idee, wie wir unsere Kleidung und Ausrüstung von den Eiern der unliebsamen Plagegeister befreien konnten. Heiß waschen viel aus, da fast alles, was ich mithabe einen hohen Anteil Wolle hat. Ich habe auf meinem ersten Weg mal gesehen, wie die spanischen Hospitaleros das Problem angehen. Sie tun die ganzen kontaminierten Dinge in schwarze Plastiktüten und stellen diese für längere Zeit in die pralle Sonne. Das tötet selbst die Eier ab. Danach die Wäsche nochmal gründlich durchwaschen und dann war es das. Die Stiche hingegen heilen erst nach ein paar Tagen ab. Besonders an den Stellen, wo die Kleidung scheuert, wie z.B. am Hosenbund oder die Stellen, an denen die Gurte des Gepäcks aufliegen, ist das Jucken unerträglich und es wirkt auch die Salbe nicht. Kommt dann noch der Schweiß dazu wird es richtig unangenehm. So lange die Stiche nicht abgeheilt sind, ist an ein entspanntes Laufen nicht zu denken. Wir brauchten also für die nächsten zwei Tage einen Platz, wo wir unser Gepäck in Tüten in die Sonne stellen und wo wir mehrmals am Tag vernünftig duschen konnten. Denn nach einer heißen Dusche hat man einen Moment Ruhe vor dem Jucken und kann so das Kratzen vermeiden. Denn das sollte man unbedingt unterlassen, da aufgekratzte Bettwanzenbisse sich sehr schnell entzünden und man nebenbei die dort eventuell enthaltenen Eier nur noch weiter über den Körper verteilt. Einzige vernünftige Lösung des Problems ist es von daher morgen einen Campingplatz mit Waschmaschinen zu finden. Dort gibt es alles was wir brauchen und es bleibt in einem bezahlbaren Rahmen.

Lukasz Arm am Morgen
Fussel und ich beim Warten auf den Zug

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