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  • Olaf

Endlich wieder laufen


Weiter Richtung Süden

07.07.2020

Heute Morgen war alles perfekt. Wir waren erholt und sauber und unsere Klamotten waren nun mehrfach gewaschen und nach der gestrigen Hitzebehandlung wohl auch vom Ungeziefer befreit, so hofften wir zumindest.

Wir brachen gegen halb neun frohen Mutes auf Richtung Peyrehorade unserem heutigen Tagesziel. Der Weg war ganz entspannt und wir zufrieden, dass wir wieder ungestört laufen konnten. Wir erreichten den Ort am späten Nachmittag und steuerten den Campingplatz an, den wir für die heutige Übernachtung auserkoren hatten. Eine freundliche Dame empfing uns und teilte uns mit, dass wir dort nicht bleiben konnten, weil es keine sanitären Anlagen gäbe zur Zeit. Es könnten nur Wohnwagen und Wohnmobile dort bleiben, die ein eigenes Bad an Bord hätten. Der nächste Campingplatz wäre drei Kilometer weiter entfernt. Dort gäbe es aber leider keine Einkaufsmöglichkeiten. Das wäre für heute Abend kein Problem genug Vorräte mitzunehmen, aber sie erzählte uns, dass es auf den nächsten 45 Kilometern überhaupt keine Möglichkeit gäbe, etwas essbares zu kaufen. Auch war sie sich nicht sicher, ob es die Herberge, welche ich von meiner Tour 2013 noch kannte, noch existieren würde und wenn ja, blieb die Frage, ob sie schon wieder geöffnet wäre. Das bedeutete für uns, dass wir für zwei komplette Tage Essen und Getränke hätten mitnehmen müssen. Mit den Eseln wäre das ein lösbares Problem gewesen, aber ohne wäre das Gepäck zu schwer geworden. Da standen wir nun mit unserem Talent. Wir berieten uns kurz und beschlossen dann, zum Bahnhof zu laufen und einen Zug nach Bayonne zu nehmen, dort zu übernachten und dann am Morgen nach St. Jean-Pied-de-Port zu fahren, dem Startpunkt des Camino Frances. Ich kann hier mit zwei Jugendlichen keine wilden Experimente machen und riskieren, dass wir eventuell zwei Tage ohne Verpflegung bei fast 30 Grad irgendwo in Südfrankreich herumzulaufen. Das Risiko dieser Reise muss in einem für mich überschaubaren Rahmen bleiben.

Es gab tatsächlich noch einen Zug aber leider keine Möglichkeit eine Fahrkarte zu ersteigern, da der Fahrkartenschalter bereits geschlossen war und es keinen Automaten gab. Der Zug kam, wir stiegen ein und ich ging direkt zum Schaffner und erklärte ihm so gut ich es in Französisch konnte, unser Problem. Er grinste nur und sagte dann, die Fahrt wäre für Pilger mit Hund heute frei.

In Bayonne waren dann leider alle günstigen Hotels ausgebucht, bis auf das F1-Hotel, aber nach unserem letzten Erlebnis in einem dieser Hotels, sahen wir von einem Zimmer dort ab und gingen in ein etwas teureres aber garantiert besser gepflegtes Ibis Budget Hotel.


Fussel hat nun Zug

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