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  • Olaf

Im Westen nichts Neues


Fussel wartet aufs Essen

08.06.2020

Der mitteldurchschnittliche vorstädtische Bungalowbewohner hat ja keine Vorstellung davon, wie reichhaltig Deutschlands Tierwelt doch ist.Vor allen Dingen im Bereich der Kleinstlebewesen, wie Insekten, Würmern, Schnecken und Wesen deren Zuordnung mir schwerfällt. Sie wirken, wie von H.R. Giger gezeichnet und dann dem Papier entlaufen. Bei einer Übernachtung im Wald bekommt man das Gefühl, dass sie aber insgesamt alle sehr höflich erzogen sind, denn sie kommen meist einzeln vorbei, um sich persönlich vorzustellen. Die die man nicht mit der platten Hand erwischt, denken sie seien willkommen und holen noch ihre Verwandtschaft hinzu. Der nach Schweiß stinkende Pilger wirkt offensichtlich sehr interessant. Obelix hätte jetzt sicherlich gesagt: „ Die spinnen, die Insekten!“ Damit liegt er einerseits inhaltlich richtig, andererseits wirkt es aber auch ein bißchen so, als hätte er im Biologieunterricht nicht aufgepasst. Denn die Insekten sind zwar sehr Facettenreich in ihrem Auftreten aber spinnen können sie höchstens Seemannsgarn.

Ich fragte Finn vorhin, was er denn an meiner Stelle über den heutigen Tag in unserem Blog berichten würde. Ja also, wir sind aufgestanden, dann haben wir die Insekten, Spinnentiere und Schnecken aus und von unseren Sachen gesucht und diese dann auf die Esel gepackt, also die Sachen, nicht die Tiere. Dann sind wir frühstücken gegangen, dann gelaufen, dann Pause gemacht, dann schon wieder gelaufen und nochmal Pause gemacht und dann noch ein bißchen gelaufen, eingekauft, Schlafplatz gesucht, gegessen, gekocht, schlafen gegangen. Ich würde sagen, er hat es inhaltlich voll erfasst. Kurz könnte ich noch das Wetter erwähnen, es war so, dass ich es aber für nicht erwähnenswert halte. Unsere und die Verdauung der Esel wäre eventuell erwähnenswert, gehört aber nicht in diesen Blog, da mein Cousin den immer zum Frühstück liest.

Nebenbei könnte ich noch erwähnen, dass wir oft angequatscht und fotografiert werden. Das ist eigentlich sehr schön, weil man merkt, dass es viele Menschen, die das was wir machen interessant und gut finden. Wenn es im Vorbeigehen passiert oder beim Pause machen, ist das auch alles in Ordnung, nur wenn uns Leute im vollen Lauf anhalten, ist das eher ärgerlich, da es immer etwas dauert, bis man mit den Eseln wieder im Trott ist. Auch wollten uns in den letzten Tagen mehrere Leute Geld spenden. Wir lehnen natürlich immer ab, aber heute war jemand darunter, der fast beleidigt war, dass ich sein Geld nicht haben wollte. Wir haben beschlossen, sollte das nochmal passieren, werden wir nicht diskutieren, sondern es dankend annehmen und gut verwahren, bis wir den nächsten Obdachlosen treffen, der es besser gebrauchen kann als wir.

Der Wald, den wir uns für heute Nacht auf der Karte ausgeguckt hatten entpuppte sich, als wir ihn erreichten als ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet. Dort ist eine Übernachtung natürlich nicht möglich. Nicht nur weil es verboten ist, sondern den Grundprinzipien unserer Reise nicht entsprechen würde. Wir mussten also noch ein kleines Stück weiterwandern, bis wir aus dem Naturschutzgebiet wieder raus waren. Dort trafen wir ein paar Wanderer, die uns einen richtig netten Platz in einem anderen Wald zeigten. Ich habe noch nie so hohe Kirschbäume gesehen, wie dort, einfach traumhaft. Also essen, aufbauen und schlafen gehen.

Unser heutiger Lagerplatz lag gut versteckt
Finn lief heute stramm vorweg
läuft


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