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On the road again…


Endlich wieder Sand und der den Füssen und jede Menge Kilometer vor der Brust

05.06.2020

Heute Morgen sieben Uhr war es wieder soweit, mein Vater kam pünktlich zum Verabschieden zur vereinbarten Zeit und ich schickte ihn erst einmal wieder nach Hause mit dem Verweis, ich würde mich melden, wenn wir soweit wären. Die gplante Uhrzeit der Abreise konnte ich doch nicht exakt einhalten. Es war auf einmal alles sehr plötzlich gegangen in den letzten Tagen. Lukasz und ich haben diese Wanderung so lange vorbereitet, dass wir es einfach nicht akzeptieren wollten, dass unser dreizehn Tage Marsch Anfang März alles gewesen sein sollte. Wir wollten mit Finn, den zwei Eseln und Fussel von Martfeld nach Santiago de Compostella laufen und uns nicht wie die begossenen Pudel durch Sturm und Regen in 13 Tagen nach Hiltern durchschlagen. Nichts für ungut liebe Hilterer, aber das wäre den Aufwand nicht wert gewesen. Die Tour im März abzubrechen war absolut alternativlos, aber dennoch für uns ein harter Schlag. Aber bereits auf der Rückfahrt war mir klar, dass Trübsal blasen keinem hilft. Wir beschlossen also noch im Auto, wie wir zu Hause den Garten umgestalten könnten, um ihn gut für den Anbau von Obst und Gemüse nutzen zu können, denn falls die Krise länger dauern würde, würde das schlauer sein als Klopapier zu horten. Wir gruben also in den letzten Wochen unseren Garten um, pflanzten jede Menge Kartoffeln und Obst, bauten einen Hühnerstall, gruben kurz einen Teich und plötzlich war es Ende Mai und es deutete sich an, dass eine Wiederaufnahme der Tour an der selben Stelle, an der wir sie beendet hatten noch möglich sei, wenn wir jetzt schnell handeln würden. Aber in unserem Falle reicht es ja nicht, dass wir schnell handeln, auch meine Chefs und die zuständigen Sachbearbeiter vom Jugendamt müssen sofort agieren. Was sie zum Glück alle taten und Dank einer sehr hilfsbereiten Kollegin wissen wir auch unsere Wiesen versorgt.

Kurzum vorgestern stand fest, es geht auf jeden Fall heute wieder los. In Anbetracht der aktuellen Situation könnte die Tour ein bißchen mehr Abenteuer werden als noch vor einem halben Jahr. Wir werden noch mehr auf uns alleine gestellt sein, aber andererseits auch die Chance haben den Camino Frances ohne Touristenmassen laufen zu können.

Endlich war das Auto gepackt und die Esel im Hänger. Gegen neun Uhr passierten wir das Martfelder Ortsausgangsschild. Dieses mal hatten wir uns nur bei den Leuten verabschiedet, bei denen es sich nicht vermeiden ließ. Die letzten Tage waren so stressig, dass es keine freie Minute gab und nach dem wir bei dem letzten Start einen großen Abschied hatten und dann nicht mal zwei Wochen weg waren, dachten wir uns, es würde sich vielleicht positiv auf die Reisedauer auswirken, wenn wir möglichst heimlich abhauen. Stephie, die gute Fee des Hauses brachte uns nach Hiltern, genau vor die Bäckerei, wo wir vor knapp drei Monaten den letzten Kaffee tranken bevor es wieder gen Heimat ging. Wir luden die Esel dann allerdings ein Stück weiter am Ortsausgang aus, da der Verkehr vor der Bäckerei viel zu dicht war. Nach einer kurzen Verabschiedung konnten wir endlich da weitermachen, wo wir im März aufgehört hatten. Auf die gleiche Idee war offensichtlich auch das Wetter gekommen. Eben hatte es uns gerade noch mit einem einigermaßen freundlichen aber schon ein wenig hinterlistigen Lächeln auf den Weg gelockt. Doch nun nach einer halben Stunde, als es sich sicher war, dass das trockene und warme Auto weit genug außer Rufweite war, verflog all seine gute Laune wortwörtlich wie im Sturm. „Oh da seid Ihr ja wieder meine lustigen Wandergesellen, Euch kippe ich jetzt erstmal den eingesparten Regen der letzten Wochen auf einmal auf den Kopp“

Als schnell rein in die Regenklamotten, den Hut tief ins Gesicht gezogen eine gute Miene zum bösen Spiel aufgesetzt und dann ging es weiter. Für die nächste Tour bauen wir eine Kutsche mit Dach und Kanonenofen. Lukasz hat da schon ein paar gute Ideen.

Irgendwann war der Regen so heftig, dass wir uns mit den Eseln zusammen in eine Bushaltestelle quetschten.


den Bus nehmen scheidet aus, die Esel haben ihren Mundschutz vergessen

Die Witterungslage wirkte sehr verbesserungswürdig, machte aber nicht den Anschein, als würde sie das in nächster Zeit selbst einsehen. Was also tun? Lukasz fand heraus, dass es relativ in der Nähe einen Ort mit einem Supermarkt gäbe. Also beschlossen wir uns dort mit Verpflegung für das Abendbrot auszustatten. Und uns dann ein geschütztes Plätzchen in der Natur zu suchen.

Ausgestattet mit allem Nötigen für ein abendliches Mal zogen wir durch den Regen durch eine bei Sonne wohl schöne Landschaft mit recht vielen recht großen Bauernhöfen. Vor einem von ihnen machten wir aufgrund einer kurzzeitigen Regenpause eine kleine Rast.

Von dem Hof kam eine Frau, die sich für die Esel interessierte und wir kamen ins Gespräch. Ich erzählte ihr, dass wir einen Platz zur Nacht suchten, aber niemanden stören und auch kein Gesetz brechen möchten. Sie beschrieb uns den Weg zu einer Wiese nur ein paar hundert Meter entfernt. Sie läge an einem Waldrand und gehöre ihrem Mann. Wir bedankten uns und schlugen dort für heute unser Lager auf.


Die Esel werden wieder bepackt
Wir ziehen gen Nachtquartier
Lukasz beim Zeltaufbau
Eigentlich echt hübsch hier
Camping wie aus dem Katalog
Abendbrot mit Esel





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