Suche
  • Olaf

Schilder im Wald


Sjørd, Lukasz und Finn vor Panorama

25.06.2020

Ich hatte den Jungs gesagt, sie könnten ein wenig länger schlafen, denn neben dem Norma Markt gab es ein kleines Kaffee und ich hatte mich darauf gefreut mal alleine ohne Stress einen schönen Kaffee in der Morgensonne trinken zu können. Genau das tat ich nun heute. Die Jungs schliefen, die Esel standen brav im Gehege und Fussel kommt ja sowieso immer mit.

Danach weckte ich gegen halb neun einigermaßen erholt Lukasz und Finn und wir machten uns auf den Weg, der heute echt schön und abwechslungsreich war.

Nach einiger Zeit kamen wir an einen Wald, der komplett von einem Wildschutzzaun umgeben war. Der Hauptweg gesichert durch ein großes Maschendrahttor. An diesem hing ein rundes Schild mit rotem Kreis und einem schwarzen Pferd mit Reiter darauf. Wir hatten weder Pferde, noch ritten wir und der Weg war als regulärer Wanderweg in allen unseren Karten verzeichnet. Weitere Schilder, welche unseren Zugang verboten hätten gab es nicht. Also probierte Lukas, ob man das Tor öffnen könne und siehe da, es war kein Problem. Auch die in den Boden eingelassenen großen Gitter, die einen Wildaustritt aus dem Wald verhindern sollen und wahrscheinlich auch einen Pferdeeintritt in den selbigen, waren für unsere beiden Offroadesel kein Problem.

Wir marschierten also fröhlich in den Wald hinein, bis nach kurzer Zeit aus dem Nichts ein Auto auftauchte. Ein junger Mann mit strengem Blick saß darin, stoppte neben uns und sprach mich durch das geöffnete Seitenfenster harsch an. Ob wir keine Schilder lesen könnten? Wir dürften den Wald nicht betreten. Ein solches Schild hätte ich da nicht gesehen antwortete ich ihm noch recht freundlich, da wäre lediglich ein Schild gewesen, was den Zugang für Reiter auf einem Pferd verbieten würde, wir würden weder reiten, noch hätten wir Pferde. Das könne man sich doch denken, dass das auch für Ponys gelte, entgegnete er. Das Schild sagt laut Straßenverkehrsordnung aus, dass hier lediglich das Reiten verboten sei, aber selbst ein Pferd dürfe hier geführt werden, erklärte ich ihm während Lukasz schon im Internet die Bedeutung des Schildes nachgeschlagen hatte und ihm grinsend unter die Nase hielt. Das wäre ihm alles egal, das wäre hier alles verboten und wir sollten schleunigst zurückgehen, sagte er drohend. Darauf erklärte ich ihm mit abnehmender Freundlichkeit. Das das absolut nicht mein Problem wäre, wenn er nicht mal wisse, was die Bedeutung der Schilder wäre, die er mit welcher Berechtigung auch immer auf öffentliche Wege hängen würde. Wir würden jetzt hier weitergehen und wenn er uns daran hindern würde, riefe ich die Polizei und wir unterhalten uns dann mal über den Tatbestand Nötigung und Freiheitsberaubung. Der junge Mann schäumte sichtlich vor Wut, fuhr aber dann von dannen und ward nicht mehr gesehen. Man muss auch mal streng sein mit seinen Mitmenschen. Nebenbei muss es an dem Tor eine Videoüberwachung geben, wie hätte er sonst so unmittelbar nach unserem Betreten des Waldes vor Ort sein können. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das absolut nicht legal in öffentlichem Raum ist. Da hätte zumindest ein Schild am Eingang sein müssen...

Wir kamen nach weiteren schönen Kilometern an den Ausgang des Waldes in den Ort Altenahr, ein kleines zwischen Bergen gelegenes Dorf, was einer Märklin Modelleisenbahn entsprungen sein könnte. Wir durchquerten den netten Ort und wollten eigentlich weiterziehen, da sprach uns am Ortsausgang ein Fußgänger an. Wir wollten doch sicher zum Campingplatz, der kürzeste Weg wäre gleich rechts unter der Brücke durch und denn wären wir da. Wir wollten zwar woanders hin, aber solche Tips sollte man erfahrungsgemäß auf dem Camino nicht ignorieren. Also folgten wir der Wegbeschreibung und kamen an einen netten, kleinen und top gepflegten Campingplatz. Ich sprach in der Anmeldung vor. Esel hatten wir hier noch nie, immer hereinspaziert, war die freudige Antwort des Platzwartes. Er wies uns einen schönen Platz zu und als ich zum Bezahlen wiederkam, drückte er mir eine Visitenkarte in die Hand und meinte, er hätte als Bezahlung für die Nacht lediglich gerne eine Postkarte aus Santiago. Er fände gut, was wir da machten und würde das gerne unterstützen. Wir ernteten viel Aufmerksamkeit, Zuspruch und sogar einen kleinen Applaus als wir den Platz betraten. Das hatte ich so auch noch nicht erlebt. Am Abend lud mich ein nettes Ehepaar mit Wohnmobil, welche neben uns standen auf ein Glas Wein ein. Das war mal echt schön und brachte einen Hauch von Normalität in mein zur Zeit doch recht unkonventionelles Leben. Vielen Dank dafür. Lukasz und Finn kletterten in der Zeit zum Teufelsloch, einem Loch im Felsen auf einem Berg.

Blick vom Teufelsloch
eine alte Burg gegenüber vom Teufelsloch
unser Camp für die Nacht
unser Gastgeber heute

0 Ansichten

© 2020 by Olaf Seebode