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  • Olaf

Time to say good bye


Ein Autorennen direkt neben dem Weg

27.06.2020

Wir wachten heute recht früh auf, da Larry fröhlich Lukasz Rucksack nach etwas essbarem durchsuchte und dabei ein wenig Lärm verursachte. Lukasz kam auch langsam zu sich, stand dann auf und suchte noch etwas Heu vom Wegesrand zusammen, um Larry zu beruhigen, in der Hoffnung, sich noch wieder für einen Moment hinlegen zu können. Wir versuchten auch noch einen Moment zu dösen, aber es klappte leider nicht. Viel zu groß war die Sorge, wie das mit den Eseln weitergehen würde. Wir beschlossen erst einmal wie gewohnt zu packen und dann in den Ort zum Frühstücken zu gehen. Wir setzten uns auf eine Bank vor einer Bäckerei und rechneten bei einer Tasse Kaffee nochmals Tage und Kilometer in Wochen um. Egal wir wir es auch drehten und wendeten. Wenn wir ausreichend Pausen für die Esel berücksichtigen, ist ein erreichen des Ziels in einer vernünftigen Zeit nicht möglich. Die Reise so wie wir sie geplant hatten ist wegen der uns fehlenden drei Corona Monate nicht durchführbar. Was nun tun? Kein Backup, kein Mitleid, hat mir mein Informatiklehrer bei meiner Umschulung beigebracht. Also hatte ich von Anfang an alle Eventualitäten einkalkuliert. Hänger und Transporter standen zu Hause bereit und eine gute Versorgung der Tiere dort ist auch gewährleistet. Auch hatten wir von Anfang an unser Gepäck so konzipiert, dass wir es so reduzieren können, dass es in den Rucksack passt.Also rangen wir uns schweren Herzens dazu durch, die Abreise von Larry und Sjørd in die Wege zu leiten. Gegen Abend würde Stephie mit Hänger und Transporter vor Ort sein. Also taten wir das, was wir am Besten können. Wir liefen weiter Richtung Nürburg Ring. Es war tolles Wetter zum Laufen, aber unsere Stimmung war gedrückt. Insbesondere Lukasz und mir fiel die Entscheidung sehr schwer. Wir hatten im Vorfeld aber auch nicht erahnen können, dass wir als wandelnde Touristenattraktion unterwegs sein würden. Einen wirklich entspannten Tag haben wir bis jetzt eigentlich nicht gehabt. Ich konnte vorhin nicht einmal in Ruhe telefonieren. Einige Leute quatschen einfach drauf los, ohne Rücksicht auf das, was man gerade tut. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund, ist man so etwas wie Freiwild. Das schlaucht auf die Dauer und kostet nebenbei viel Zeit. Das einzig gute daran war, dass die Ansprachen durchweg positiv waren, nicht wie im Internet, wo man mich wegen Tierquälerei beschimpfte.

Mir ging viel durch den Kopf, als wir so vor uns hinmarschierten. Auf einmal tauchte ein Security Mann auf. Auf dem Ring fand das erste Rennen nach der Corona Pause statt und es durften keine Leute an die Bahn. Unser Wanderweg führt aber nunmal direkt an der Strecke entlang und es wäre ein ziemlicher Umweg das Gebiet zu umlaufen. Ich konnte dem netten Mann glaubhaft machen, dass wir nicht mit zwei Eseln anrücken würden, wenn wir uns heimlich das Rennen angucken wollten. Auch hätten wir dann mit Sicherheit nicht den Hausstand für mehrere Monate dabei. Das wirkte auf ihn plausibel und er ließ uns passieren.

Der Ring ist von einer recht abwechslungsreichen Natur umringt. Wald und Wiesen wechselten sich ab und manchmal konnte man die Rennbahn sehen, auf der mit einem ohrenbetäubenden Lärm bunte Autos hintereinander herjagten. Vereinzelt standen Leute in den Büschen oder saßen in den Bäumen und versuchten einen Blick auf das Geschehen zu erhaschen. Irgendwann war der Weg wieder versperrt, diesmal durch ein Gitter, was mit einem Kabelbinder gesichert war. Als alter Veranstaltungstechniker habe ich so etwas natürlich immer am Mann. Also durchtrennten wir die Absperrung und verschlossen sie danach wieder ordnungsgemäß. Leider war dann auf der anderen Seite unser geplanter Weg komplett gesperrt und so mussten wir auf Anweisung des Sicherheitsdienstes ein paar Kilometer auf der Bundesstraße laufen, was mit zwei Eseln und Hund echt unangenehm ist. Wir erreichten aber bald die andere Seite des Rings und fanden dort einen netten kleinen Rastplatz an einer befahrenen Straße. Hier konnte Stephie uns gut finden und die Esel einladen. Die beiden Jungs flitzten in den nächsten Ort, um Pizza zu holen und ich kümmerte mich um die Tiere.

Gegen sieben Uhr kam dann Stephie mit dem Hänger, wir verluden die Tiere und fuhren auf den nächsten Campingplatz.

so schön, da fast man sich glatt an den Kopf
so nah kommt man einem Rennwagen selten
Larry kaut Lukasz ein Ohr ab
Der Heimtransporter ist da


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