Suche
  • Olaf

Unterwegs im bergischen

Aktualisiert: Juni 22


Abendliche Beratung mit schöner Sicht

19.06.2020

Gegen sechs Uhr wachte ich auf. Der Flicken meiner Luftmatratze hielt eigentlich gut, nur halt nicht die Luft. Aber immerhin, sie war langsam entwichen und ich lag erst gegen frühen Morgen auf dem harten Boden. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass es Zeit zum Aufstehen war. Ich hatte mich bei der netten Familie um 7 Uhr zum Duschen angemeldet und da wollte ich natürlich nicht unpünktlich sein. Ich stieg hinauf in die Wohnung und reinigte mich und meine Klamotten. Danach gab es ein schönes Frühstück mit Eiern auf Punkt (Thermomix machts möglich) und selbstgebackenem Brot. Frisch gestärkt ging ich mit Finn zum Raiffeisenmarkt und wir kauften Fressbremsen, eine neue Litze für den Zaun und ein Spray gegen Bremsen und Zecken. Unsere Gastgeberin steuerte noch Fliegenmasken und eine Fressbremse für Larry bei. Außerdem wusste sie das Material, um Larrys Lederzeug am Sattel wieder auf Vordermann zu bringen. Das hatte uns gestern noch arge Sorgen bereitet. Was für ein Segen, dass die junge Mutter uns gestern angesprochen hatte. Wir konnten so ziemlich alle unsere kleinen Probleme, die wir bis gestern noch hatten, mit einem Schlag lösen. Wir waren gut genährt, erholt und rochen sogar nicht mehr so fliegenfreundlich, wie noch am Tag davor. Wir kriegten noch frisch geschmierte Brötchen und viele liebenswerte Wünsche mit auf den Weg und zogen dann voller Dankbarkeit bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel in die Berge des bergischen Landes.

Wir hatten uns gestern Abend noch überlegt, dass wenn wir Bonn am Montag erreichen, wir mit den Eseln so weiterlaufen können. Sollten wir dann später in Frankreich merken, dass wir in Zeitdruck kommen, rufen wir Stephie an, die kommt dann mit Bus und Trailer und wir springen ein paar Kilometer, damit wir in jedem Falle den Camino Frances mit Eseln laufen. Das war Lukasz Idee und ich warf bedenkend ein, dass wenn wir tatsächlich ein paar Kilometer springen würden, wahrscheinlich als erstes sofort planen würden, wann wir wieder losgehen würden. Lukasz meinte nur, das ist doch egal, das machen wir doch sowieso, egal wann wir wie ankommen. Da hat er auch wieder recht. Die Frage ist dann nur, wie?Lukasz murmelte was von Reiten, gute Idee. Wir müssen dann nur noch klären, ob Kamel oder Elefant.

Welch ein schöner Tag. An einem kleinen Bach machten wir halt, um für die Tiere Wasser zu schöpfen. Da kam aus dem Haus nebenan eine ältere Frau und bot an uns sauberes Wasser aus ihrer Leitung zu holen. Sie kam mit einer Gießkanne voll zurück und erkundigte sich nach dem, was wir da taten. Das wäre aber mutig, meinte sie, ob wir denn keine Angst vor Carola hätten? Ich kenne Carola nicht, aber müsste ich Angst vor ihr haben, wenn ich sie kennen würde, fragte ich? Sie meine diese Carena ausm Fernsehen, erklärte sie. Ich hätte fast geantwortet, das können wir nicht kriegen, wir haben keinen Fernseher mit, aber manchmal muss man seinen Schalk im Zaume halten.

Lukasz navigierte uns heute auf dem kürzesten Wege zu einem großen Supermarkt. Google Maps nahm das mit dem kürzesten Weg etwas zu wörtlich und ließ sich uns auf dem Betriebsgelände der Firma Abus verlaufen. Dabei ist anzumerken, dass die Firma Abus ein nicht verschlossenes Eingangstor besitzt, lediglich das Ausgangstor ist gesichert. Der Sicherheitsmann, der uns daraufhin fragte, was wir denn da machen würden, war mit meiner Antwort: „Nach Spanien laufen, Google meint das wäre der kürzeste Weg.“ , zwar nicht ganz einverstanden, ermöglichte uns aber dann doch eine Wiederkehr in die Freiheit. Sein hinterher geworfenes „Seht bloß zu“ kann man als norddeutscher auch einfach als guten Wunsch für den Weg werten.

Wir machten Pause vor dem Supermarkt und ein Nachbar sprach uns an, ob wir schon wüssten, wo wir nächtigen wollten. Nicht weit entfernt gäbe es einen schönen See. Da wäre das schon in Ordnung. Wir deckten uns also mit Vorräten ein und folgten dann der Wegbeschreibung des netten Anwohners.

Dort angekommen fanden eine geeignete und geschützte Stelle an einer schönen Talsperre und ließen uns häuslich nieder. Das Vorkommnis mit Google Maps vorhin brachte uns ins Nachdenken. Ich war noch nie davon überzeugt damit zu navigieren, aber Lukasz kommt damit am Besten klar. Ich gab die bisher gelaufene Gesamtstrecke von Martfeld bis hierher, Etappe für Etappe in die Falk App ein und siehe da, es kam eine ganz andere Gesamtkilometerzahl raus, als bei Google vor zwei Tagen. Demzufolge laufen wir einen Schnitt von 18 Kilometern am Tag und das würde bedeuten, wir sind trotz aller bisherigen Probleme immer noch im geplanten Soll sind. Ferner hatten Larry und Sjørd entweder gestern unsere Gespräche mitgehört oder die Veränderung des Gepäcks und das Insektenspray hatten ihre Laune maßgeblich verbessert. Sie liefen heute völlig flüssig und am Abend alberten sie ungehemmt mit uns rum.

Wir legten uns mit der Abenddämmerung schlafen. Ich war gerade dabei sanft zu entschlummern, da hörte ich Hufgetrappel und zwar aus einer falschen Richtung. Schlagartig war ich hellwach, die Taschenlampe geschnappt und einfach seitlich aus dem Zelt gerollt, beide Esel waren ausgebrochen und standen nun im dunklen Wald. Finn und Lukasz waren schon eingeschlafen und brauchten deshalb ein wenig Zeit, um sich am Einfangen der Esel beteiligen zu können. Da standen wir nun zu Dritt in Unterhosen, barfuß mit Taschenlampen und sollten die Tieren einfangen. Das wäre ein schönes Spiel für einen Kindergeburtstag, wer es schafft in der Dunkelheit einen Esel festzuhalten, kriegt seine Hose wieder und wenn der Esel dann noch sicher durch das Unterholz des Waldes zurück ins Gehege gebracht wird, gibt es auch Schuhe und Socken zurück. Zum Glück hab ich Karl May gelesen und wusste somit instinktiv, wie wir uns verhalten mussten. Vorsichtig die Tiere einkreisen und sie nicht erschrecken. Der Plan ging auf und wir brachten sie alle Beide unversehrt zurück. Dann bauten wir das Gehege nochmal um und sicherten es zusätzlich nach Indianerart mit großen Ästen.

Wegweiser mit Hund vor Grün
Lukasz desinsektiziert die Esel
wir wickeln die neue Litze auf unsere Rolle
eine Gegend, wie aus einem guten Reisebericht
Sjørd guckt in die Ferne
an der Wassertankstelle
unser abendlicher Lagerplatz vom See gesehen
der See gesehen vom Lagerplatz
rumalbern mit Esel und Möhre
rumalbern mit Möhre und Esel

0 Ansichten

© 2020 by Olaf Seebode