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  • Olaf

In Jakobus Armen


Die glorreichen Sechs

14.06.2020

Wir verließen heute Morgen gut gelaunt den Langenhof. Die Tiere und wir waren gut ausgeruht und strebten nun nach einem ordentlichen Frühstück. Zum Glück hatte im nächsten Ort eine kleine Bäckerei geöffnet. Wir banden unsere Esel davor fest und machten es uns auf den Stufen der Eingangstreppe gemütlich. Es kamen einige Kunden und es dauert nicht lange und wir hatten ein paar richtig nette Gespräche. Gegenüber hielt eine ältere Dame mit dem Auto und erkundigte sich über unsere Wanderung, sie war begeistert und erzählte, dass sie selbst gerne die Tour mit dem Fahrrad machen würde, aber sie sei ja schon 80 Jahre alt. Ich berichtete ihr von dem 82 älteren Dänen, den ich auf meiner Wanderung 2013 kennengelernt hatte. Er war damals 82 und sollte von seinen Verwandten in ein Altenheim verfrachtet werden, doch kurz davor kniff er aus und machte sich auf den Weg nach Spanien. Er kam damals nur fünf Tage später als wir in Finesterre an und wirkte bei seiner Ankunft um zehn Jahre jünger. Ich plauschte mit der Dame im Auto noch so lange, bis mein Kaffee, den Lukasz mir gekauft hatte, restlos abgekühlt war. Ich könnte mir vorstellen, dass sich demnächst eine achtzig Jährige mit dem Fahrrad auf den Weg nach Santiago macht, dann die Dame hatte nach unserem Gespräch ein ein sehr unternehmungsfreudiges Funkeln in den Augen.

Die nette Bäckersfrau gab uns noch jede Menge Kuchen und Getränke mit und so machten wir uns gut gesättigt und voll bepackt wieder auf den Weg Richtung Sauerland.

Die Strecke macht hier so langsam richtig Spaß. Die Gegend ist hügelig und landschaftlich abwechslungsreich. Wir kamen gut voran und als wir langsam einen Hügel erklommen hatten, auf dem zwei Windräder standen, rannte Lukasz, der heute eselfrei hatte, auf einmal los, auf das eine Windrad zu. Wir folgten ihm im Tempo der Esel und als wir ihn erreichten, war er gerade dabei ein Feuer aus Altpapier zu löschen. Das gelang aber nicht so ganz, weil wir nichts dabei hatten, mit dem das hätte gehen können. Neben dem Windrad stand ein ziemlich trockenes Gerstenfeld. So konnten wir dort nicht einfach wieder weggehen. Ich rief also die Feuerwehr und wir versprachen den Brand zu bewachen, bis diese bei uns eintreffen würde. Die Feuerwehr Iserlohn war recht zügig da und mit zwei Eimern Wasser war das Problem behoben. Kurze Zeit später traf auch die Polizei ein und nahm die Sache auf. Ich hoffe nur, dass sie den Schwachmaten kriegen, der dafür verantwortlich war.


die Feuerwehr ist da

Uns hatte die Aktion ein wenig aufgehalten und wir mussten zusehen, dass wir weiterkamen , denn der Himmel zog sich langsam ziemlich düster zu und wir wussten aus den Nachrichten, dass es in ganz Deutschland zu schweren Unwettern kommen sollte.

Wir hatten gerade den den kleinen Ort Kalthof erreicht, da ging es richtig los. Ähnlich wie in dem großen Gedicht von Heinz Erhardt von den stürmenden und brausenden Winden, was mit dem Satz endet: Oh, wat ein Schiet Wetter, da bleib ich lieber zu Haus. ( Ich weiß natürlich, das Gedicht im Original nicht von Heinz Erhardt ist, sondern von Johann Wolfgang von Frankfurt oder so, aber die Erhardt Version ist wesentlich imposanter und das Ende auch viel logischer. Nebenbei sei angemerkt hätten wir im Deutschunterricht Heinz Erhardt Gedichte lernen müssen, hätte ich echt Spaß daran gehabt. So aber ging der Unterricht komplett an mir vorbei, dafür habe ich in den Stunden ganz gut zeichnen gelernt, irgendwie musste man sich ja die Zeit vertreiben…)

Aber der große Boss meinte es wieder mal gut mit uns, gerade als es richtig zu schütten anfing, fanden wir ein geräumiges Bushaltehäuschen mit genug Platz für uns und die Esel. Wir standen schön trocken, während um uns rum das Wasser in Fäden, vom Himmel fiel.

Auf der Karte hatten wir gesehen, dass es in dem Ort eine Jakobus Kirche gab. Lukasz schlug vor dort vorzusprechen, während Finn und ich mit den Tieren im Trockenen verweilten. Bei der nächsten Reise nehme ich Lukasz als Mitarbeiter mit. Der hat das Pilgern inzwischen voll verinnerlicht. Ich habe selten jemanden getroffen, auf den man sich so verlassen kann.

Er kam nach einiger Zeit wieder und meinte, die Pastorin hätte gesagt, er solle mal seinen Betreuer holen und dann sehen wir mal. Also warteten wir auf eine Regenpause und gingen dann zusammen zum Pfarrhaus. Die Pastorin wirkte zuerst ein wenig zweifelnd, was ich ihr auch nicht verdenken kann, aber als ich unsere Mission erklärt hatte, war alles kein Problem. Wir kriegten einen Schlüssel für das Gemeindehaus und die Esel einen geschützten Platz im Garten. So kann man ein Unwetter gut aushalten. Ein ganz großes Dankeschön an die Jakobus Gemeinde in Kalthof. Ich bin echt erstaunt über die Offenheit und Hilfsbereitschaft meiner Landsleute, ich hätte am Anfang der Reise nicht gedacht, dass wir hier am Anfang des Weges soviel Zuspruch und Unterstützung erfahren würden, wie wir es gerade tun und das in den Zeiten von Corona.

Wir überschreiten die Ruhr
eine echt schöne Wegstrecke
Fussel reist lieber auf mir, als auf nem Esel

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