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  • Olaf

Viel Regen bringt Segen

Aktualisiert: Juni 8


Sjørd schnarchend, den Kopf halb in mein Tarp gestreckt

06.06.2020

Unsere erste Nacht verlief ohne Zwischenfälle, der Regen fiel kontinuierlich durch. Gegen vier Uhr morgens klarte es auf und die Sonne fing zögerlich mit dem Scheinen an. Passend zu meinem Morgenkaffee erstrahlte sie dann aber in vollem Glanz. Ich weckte die Jungs und wir breiteten erst einmal alles, was gestern nass geworden war zum trocknen auf dem Boden aus. Gegen halb zehn zog sich der Himmel aber langsam zu und es wurde merklich kühler. Wir verpackten unser Zeug und als wir gerade alles auf die Esel gepackt hatten, fing es beherzt zu donnern und zu blitzen an. Zeitgleich kam Wind auf und es setzte ein Sturzregen ein. Wir zogen schnell unsere Ponchos über und suchten uns mit unseren Eseln einen Platz zum unterstellen am Waldesrand und wetterten ab.

ein Poncho schützt nicht nur vor Regen, sondern auch vor neugierigen Blicken, wenn man sie gerade nicht gebrauchen kann

Irgendwann wurde der Abstand zwischen Blitz und Donner immer größer und der Regen ließ langsam nach. Wir brachen endlich auf. Lukasz hatte einen Weg fernab der Hauptstrasse gefunden und dem folgten wir nun quer durch Wiesen, Felder und dichte Kiefern Wälder, welche durch den Regen herrlich dufteten. Der kalte Wind hatte nachgelassen und der Regen fiel nun gerade auf uns herrab. Er verwandelte sich in einen warmen Sommerregen, der zwischendurch von Sonnenschein mit blauem Himmel unterbrochen wurde. Langsam kam in mir eine Hauch von Pilgergefühl auf. Ich habe immer noch nicht ganz realisiert, dass wir nun wirklich unterwegs sind. Die Vorbereitungen liefen im Eiltempo ab und plötzlich standen wir mit allem Gepäck und den Tieren wieder in der Landschaft und müssen nun sehen, wie wir klarkommen. Innerlich wollen wir so weiterlaufen, wie wir aufgehört haben, aber der Körper erinnert uns daran, dass wir zwischendurch drei Monate Pause gemacht haben.

Gegen frühen Nachmittag verzog sich der Regen und es wurde richtig angenehm. Wir pausierten in einem kleinen Örtchen und machten uns dann Richtung Warendorf auf den Weg. Inzwischen haben wir dann auch Niedersachsen verlassen und somit die erste Landesgrenze passiert. Am späten Nachmittag stoppte neben uns ein Auto und ein freundlicher Herr sprach uns an. Er erkundigte sich, was wir so machten, wo unser Ziel wäre und wie wir das mit dem Übernachten regeln würden. Er bot uns einen Platz bei sich hinterm Haus an. Etwas Heu für die Esel hätte er auch am Start. Also gingen wir einige hundert Meter zurück und kamen auf einen großen schönen Hof. Dahinter zeigte er uns einen schönen Platz für uns und die Tiere. Die ganze Familie kam und seine Enkel waren ganz begeistert von Larry und Sjörd. Die Beiden lassen sich von Kindern einfach alles gefallen. Der freundliche Bauer holte einen Grill aus der Ecke und seine Frau tauchte nach einiger Zeit mit frisch gemachtem Nudelsalat und Gus Gus auf. Der Rest der Familie erschien und es gab Essen satt. An dieser Stelle kann ich nun auch meinen Freund Uwe beruhigen, der stets besorgt ist, dass wir nicht genug grillen.

Da wir immer noch am Anfang der Tour sind, sind wir am Abend dementsprechend müde und ich war leider nicht fit genug für eine ausschweifende Konversation. Es wird ein paar Tage dauern, bis sich der Körper an diese Art des Lebens gewöhnt hat. So ging ich recht früh in meine Koje und auch die Jungs waren froh, dass sie früh schlafen konnten.

jetzt schnell ein geschütztes Plätzchen finden
traumhafte Wegstrecke heute
mal wieder Schutz suchen vor dem Regen in einer Bushaltestelle
Larry und Sjørd balgen glücklich zum Sonnenuntergang

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