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  • Olaf

Von Fragen und Antworten


Der Treck zieht weiter

20.06.2020

Als ich morgens aufwachte, konnte ich beruhigt feststellen, dass alle Esel noch da waren. Das ist ja auch schonmal schön. Wir packten zusammen und zogen wieder zu dem Supermarkt von gestern. Wir platzierten uns gegenüber und frühstückten erstmal in aller Ruhe. Natürlich kam auch heute wieder jemand, der Angst hatte, wir würden uns beim Essen alleine langweilen. Ob wir mal eben Lust hätten, ein Foto mit ihm und den Eseln zu schiessen. Das wäre doch voll cool, das sähe dann doch aus, als würde er mit den Eseln auf Wanderschaft sein, das wäre doch ein irrer Gag. Das wäre schon der Hammer, stimmte ich ihm zu, aber leider wären wir gerade mit frühstücken beschäftigt. Er müsse schon selbst ein Foto von sich und dem Esel schießen. Da hätte er vollstes Verständnis für, wir sollten man ruhig in Ruhe weiteressen. Es ist immer schön, wenn jemand Verständnis für uns aufbringen kann. Es wäre aber noch schöner gewesen, wenn er in der Lage gewesen wäre, die daraus richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen und uns in Ruhe frühstücken gelassen hätte. Stattdessen versuchte er nun Larry, der bis eben friedlich gedöst hatte, zu einem Selfie zu überreden. Der will wohl nicht fotografiert werden, beschwerte er sich, während er versuchte, sich dekorativ neben Larry zu positionieren. Der aber dachte, was er immer denkt, wenn man ihn weckt. Hunger! Larry suchte nun den Boden mit seiner Schnauze ab und der Mann mit dem feinen Gespür für Situationen und echt coole Gags versuchte ihn dazu zu bringen, nett in die Kamera zu lächeln. Schade, dass so etwas nicht im Fernsehen gezeigt wird. Dann könnte man es abschalten. So aber mussten wir das Theater über uns ergehen lassen. Lustig war nur, dass wir die ganze Zeit den Eindruck hatten, Larry wüsste genau, worum es geht, machte sich aber die ganze Zeit einen Spaß draus den Fremden auf die Schippe zu nehmen. Selten habe ich mich über einsetzenden Regen so gefreut, wie heute. Er unterbrach den Passanten nämlich in seinen Bemühungen um ein echt witziges Selfie. Wir könnten noch mit zu ihm kommen und bei ihm wohnen, er hätte noch ein ganzes Haus für uns frei. Wir lehnten dankend ab, mit der Begründung, wir müssten noch ein paar Kilometer machen heute.

Der Regen hatte uns zwar von dem Alleinunterhalter befreit, aber auch unser Frühstück vorzeitig beendet. Also marschierten wir los weiter Hügel auf und Hügel ab.

Wir laufen inzwischen natürlich nicht mehr mit GoogleMaps. Maps.me heißt der neue Heilsbringer und er führte uns heute durch eine schöne und nach Tannen riechende Gegend mit einigen amtlichen Auf und Abstiegen. An einer Abzweigung mit zwei Wegen stand ein Bauer und wunderte sich über unsere bunte Truppe. Wir fragten nach dem Weg und er deutete nach rechts. Lukasz guckte auf sein Handy, schüttelte den Kopf und deutete auf einen Trampelpfad, der in der Mitte der beiden Wege steil auf den Berg hochführte. Der Bauer meinte: „ Da geht Keiner lang, das ist viel zu steil, da kommt ihr mit den Eseln…“, wir rauschten an ihm vorbei noch ehe er den Satz beendet hatte. Ich denke mal, er wollte sagen, dass wir mit den Eseln da nie hoch kommen. Ich konnte den Satz aber nicht bis zum Ende hören, da wir da schon oben waren. Unsere Esel laufen hier inzwischen durch die Berge, als hätten sie nie etwas anderes getan. Über umgekippte Bäume steigen oder durch tiefhängende Äste laufen, ist für sie kein Problem. Lediglich kulinarische Köstlichkeiten am Wegesrand können sie aus dem Schritt bringen.

Nachdem wir den Berg überwunden hatten, kamen wir in einen kleinen Ort mit Supermarkt. Wir machten davor fest und gingen einzeln einkaufen. Während die anderen im Supermarkt waren beantwortete ich wieder viele Fragen. Ob ich eine Genehmigung hätte hier Spenden zu sammeln. Ich würde keine Spenden sammeln, aber da stünde doch ein Topf vor den Eseln, ja, aber da wäre Wasser drin und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn sie da kein Geld reinschmeißen würden. Ich solle doch mal eben mit den Tieren mitkommen, ihre Tochter hätte Geburtstag und würde sich sicher freuen. Da hätten wir keine Zeit für, wir müssten noch weiter. Das könne sie nicht verstehen, ich müsste doch Spaß haben, die Kinder glücklich zu machen, dafür wären wir doch da. Ach so, das wusste ich bisher gar nicht. So ging das ohne Unterlass weiter. Ich glaube, wenn man etwas über eine Gegend wissen will, dann stelle man sich mit einem Esel oder rosa Elefanten einfach auf einen öffentlichen Platz und wartet die Fragen ab, die man gestellt bekommt. Ich meine beobachten zu können, dass die Dummheit der Fragen proportional mit der Größe einer Ortschaft zunimmt. Die vernünftigsten Fragen kommen in den kleinen Bauernschaften. Ich bin mal gespannt, was wir uns noch so alles werden anhören dürfen. Der Marsch durch Bonn wird bestimmt ein Erlebnis.

Voll ausgestattet mit Nahrung und Getränken für den Abend liefen wir weiter.

In der nächsten Gemeinde erklommen wir einen steilen Hang, um zu einer Kirche zu gelangen. Aber der Garten der Kirche lag in einem Wohngebiet und sämtliche Balkone der Häuser waren auf ihn ausgerichtet und an dem schönen, sonnigen Samstag Abend voll besetzt. Das wäre auf ein Schaucampen hinausgelaufen. Das wollten wir alle drei nicht.

Lukasz hatte zwei Kilometer entfernt eine Kapelle im Wald auf der Karte ausfindig gemacht. Das klang nach einem guten Plan und wir setzten uns dorthin in Bewegung. Natürlich mussten wir erst wieder den Berg hinunter und dann einen steilen Waldweg hinauf, um zu ihr zu gelangen.

Die Kapelle war klein, aber hatte ein Vordach und ohne Esel wäre sie ein gutes Quartier für uns drei gewesen, aber mit Eseln war sie ganz und gar nicht brauchbar, da es keine Fläche und keine Nahrung für die Beiden gab. Wir machten trotzdem erst einmal Rast und dann gingen Lukasz und ich ohne Gepäck auf die Suche nach einem geeigneteren Platz. Den fanden wir auch. Etwas oberhalb der Kapelle lag auf der Kuppe des Berges eine schöne von Büschen umrandete Wiese. Wir holten Finn und die Esel und schlugen unser Lager auf.


Mittagspause auf Wiese
Bei uns geht es immer bergauf
Larry nascht halt gerne
Die kleine Kapelle
Abendbrot im Abendrot
Unser Lagerplatz heute

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© 2020 by Olaf Seebode