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  • Olaf

Wir lieben die Stürme

Aktualisiert: Juni 4


Go West

09.03.2020

Zum Glück regnete es heftig als ich aufwachte. Dadurch war die Luft nicht so staubig. Das kann ich so früh morgens gar nicht gut leiden. Ich schaute direkt in Larrys Augen, der seinen Kopf in mein Tarp steckte und mich auffordernd angrunzte. Ihm war langweilig und er weiß inzwischen, dass wenn ich morgens aus meiner Koje krieche, ich immer irgendetwas Leckeres zum Frühstück für die Beiden habe. Die Esel gewöhnen sich langsam an den Tagesablauf und spätestens gegen zehn werden sie unruhig und wollen los.

Wir brauchten aber einige Zeit, da auch heute der Untergrund mehr zum Reisanbau, denn zum campen geeignet war. Der unterhaltsame Platzwart hätte gestern den Freischwimmerausweis verlangen müssen und nicht den Personalausweis. Wir sind aber alle so vorbereitet, dass uns solche Umstände nicht aus der Bahn hauen. Die Jungs und ich haben eine gute Ausrüstung und Fischi ein dickes Fell. Bei diesen Bedingungen dauert nur das morgendliche einpacken recht lange, da man nichts ablegen kann und den ganzen Kram unter dem kleinen Tarp verpacken muss. Das nasse Tarp wird dann als letztes in einem wassefesten Beutel ins Gepäck verräumt. Klappt im Großen und Ganzen ganz gut. Ein strammer, böiger Wind so wie der heute macht den Spaß noch unterhaltsamer. Wir sind bis jetzt jeden Abend mit zwei Eseln und einem Hund immer ohne großen Aufwand gut und sicher untergekommen, da wollen wir uns mal nicht groß übers Wetter beschweren, sondern es einfach gelassen zur Kenntnis nehmen, dass die Reiseleitung bei der Vorbereitug in punkto klimatische Rahmenbedingungen wohl ein wenig geschlafen hat. Schlamm drüber, der Rest läuft ja, im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir sattelten gegen halb elf die Esel und machten uns weiter auf den Weg gen Osnabrück. Die ca. 22 Kilometer entfernte Stadt Bohmte war als Tagesziel auserkoren. Lukasz und ich hatten dort drei Kirchen mit angrenzender Wiese auf dem Satellitenbild ausgemacht. Zwei davon mit angrenzendem Grünland. Doch im Ort mussten wir noch einmal beim Bäcker halten. Wir hatten zwar schon alle nach dem Aufstehen gut gefrühstückt, aber das war ja schon zwei Stunden her. Noch letzte Woche wollte keiner der beiden Jung morgens etwas essen, jetzt brauchen sie ein zweites Frühstück. Das macht Spaß zu sehen.


Bild mit Reisegruppe

Gut gestärkt und ein paar Fotos für Passanten später trottete unser kleiner Treck nun langsam Richtung Süden. Lukasz übernahm die Führung. Er hatte gestern Abend im Zelt eine kürzere Strecke ohne Bundesstrasse rausgesucht. Der folgten wir nun über Feldwege, kleine Bauernschaften und einzelne Gehöfte. Wir machten ein, zwei Pausen und erreichten Bohmte gegen 18 Uhr. Bei der katholischen Kirche war niemand im Pfarramt und somit machte ich mich mit Lukasz zur evangelischen Kirche des Ortes auf. Dort wurde uns von einem freundlichen Herrn geöffnet, der aber erst etwas skeptisch wirkte, als wir unser Anliegen vortrugen. Von so einer Art der Maßnahme für Jugendliche hätte er noch nie gehört. Er bot uns dann die Wiese hinter der Kirche an und meinte noch, wir könnten gerne noch ein Feuer machen. Ich bedankte mich herzlich und erzählte, dass wir zum Feuer machen und gemütlich sitzen alle zu müde seien. Wir kommen an, versorgen die Tiere und bauen auf. Danach gibt es was zu essen und dann ist Zapfenstreich. Zum Einen natürlich wegen der Temperaturen und zum Anderen wegen der Müdigkeit. Ich schreibe dann noch kurz einen Bericht und sehe dann auch zu schnell die Augen zuzumachen, Ich muss die ja Alle morgen früh wieder ins Laufen kriegen…


Der Autor bei der Arbeit

Blick von meinem Arbeitsplatz

Abendstimmung




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